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Rudolf H. Herget
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Rudolf H. Herget

*07.01.1940 † 08.02.2014

Rudolf H. Herget war Ihr poetischer Erzähler der „Nächte der Poesie“ - der „Erzähler der Nacht".

Dabei vertraute der Schauspieler lediglich auf seine Stimme. Vermischt mit den Eindrücken der Umgebung, der untergehenden Sonne und dem aufziehenden Sternenhimmel, kehrte Harmonie und Stille ein. Gedanken wurden frei und ungeahnte Naturerlebnisse möglich.

Das besondere daran ist, dass er alles frei und ohne Manuskript vortrug.

 


 

Der „Erzähler der Nacht"
trat seine letzte Reise an.

Poesie unter dem Sternenzelt mit
Rudolf H. Herget.

Am Samstag, 08.02.2014 starb völlig unerwartet der Schauspieler, Poet und Mensch Rudolf H. Herget im Alter von 74 Jahren. Seinem Publikum ist er bestens von den "Nächten der Poesie" in der Rhön bekannt.

  Nächte der Poesie

 

Niemand zuvor hat so spielerisch, liebevoll und warnherzig seinem Publikum über viele Jahre die Worte großer Dichter nahegebracht. In einen Schlafsack oder eine Decke gekuschelt lauschte man vergnügt dem "Erzähler der Nacht", der in weißer Kleidung durch die Reihen der Zuhörer schritt.

Doch anders als auf der Bühne, vertraute er dabei lediglich auf seine Stimme. Vermischt mit den Eindrücken der Umgebung, dem Wind, der untergehenden Sonne und dem aufziehenden Sternenhimmel kehrte Harmonie und Stille ein. Konturen schwanden und man wurde eins mit der Natur und Hergets Worten. Schöne Worte, Gedanken von großen Dichtern, ein Fest für die Sinne. Eine Anregung zum Nachdenken, Entspannen und Innehalten.

Unvergessen bleiben Platons Gastmahl, Kurt Tucholskys "Ideal" oder Ludwig Fuldas "Erschaffung der Frau". Auch Auszüge aus Faust I und II von Johann Wolfgang von Goethe waren dabei.

Auf der einen Seite die einzigartige Literatur von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Heinrich Heine, Hermann Hesse, Kurt Tucholsky, auf der anderen Seite die wundervollen Ausblicke in die Natur, die Sonnenuntergänge und der Sternenhimmel. All das ergänzte sich in einer unnachahmlichen Art und Weise zu einem großen Ganzen.

Die "Nächte der Poesie" waren über viele Jahre das Veranstaltungs-Ereignis in der Rhön. Zwischen 8.000 und 10.000 Leute aus ganz Deutschland strömten Jahr für Jahr zu seiner Reihe. Seit 1997 gab es mehr als 350 Termine "Nächte der Poesie".

Viele reisten aus ganz Deutschland an, nahmen Urlaub, aber die meisten Besucher kamen aus der Region Osthessen, Rhön-Grabfeld, Kissingen und Vogelsberg. Es war der Treffpunkt der Region.

Und lange nachdem Herget sein Programm beendet hatte, lagen die Menschen noch immer da, genossen die Natur, tranken Wein und plauderten. Sogar manche Ehe / Beziehung bahnte sich dabei an. Aber auch viele Freundschaften wurden hier geschlossen. Die Menschen liebten ihren "Erzähler der Nacht", wie sie ihn respektvoll nannten.

War die Reihe vorbei, trafen sich viele zu eigenen Poesieabenden und schwärmten vom Erlebten.

Auf Bergen, Burgen und Plätzen der Rhön in freier Natur und unter dem Sternenzelt Gedichte und Worte großer Schriftsteller den Menschen nahe- bringen, das war die Ursprungsidee von Rudolf H. Herget.

Alles begann vor 30 Jahren im Planetarium Wolfsburg, damals das modernste seiner Art in der Welt, später folgten die Planetarien Hamburg und Berlin. Musste man dort Eintritt bezahlen, bekam man hier Literatur gratis.

Sein komplettes Programm umfasste ca. 13 Stunden (bestehend aus ca. 9 Einzelprogrammen). Die erste "Nacht der Poesie" fand vor ca. 25 Jahren in der Bellerkirche statt.

Am 16. August 1997 folgte dann die Veranstaltung auf der Milseburg, übrigens Hergets Lieblingsplatz. Von 21 - 6 Uhr morgens begeisterte er fast 1000 Menschen. Sein Programm schloss er stets mit Schillers zeitloser "Ode an die Freude". Dazwischen brachte er Geschichten, Weltgedichte, Liebeslyrik und Sternenpoesie. Wichtig war ihm immer die Beziehung des Menschen zu den Sternen und Planeten, zur eigenen Sterblichkeit und der Unendlichkeit des Alls.

Sobald die Sonne untergegangen war, setzte Herget mit den Worten ein: "Sonne, gigantischer Ball aus Hitze und Licht". Und sobald sich die Sterne zeigten, sagte er "Wende dich, du kleiner Stern..." oder "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius.

Was als Versuch gestartet war, entwickelte sich schnell zum Selbstläufer. Aus einer "Nacht der Poesie" wurden schnell 5, 12, dann 15, 22, 27 und seit einigen Jahren waren es über 30 Termine. Es kam eine eigene Homepage und ein gedrucktes Programmheft hinzu. Die Pressearbeit wurde intensiviert.

Die Veranstaltungen dauerten 1 bis 2 Stunden, eine Art "Poesiewolke über der Rhön", wie Herget sie liebevoll bezeichnete. In der Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön (bei Heinrich Heß und Martin Kremer) auf der Wasserkuppe fand er einen engen Kooperationspartner. Veranstalter waren meist Vereine, wie der Rhönklub und Gemeinden, wie Bischofsheim, Gersfeld oder Hilders.

Herget besuchte die schönsten Orte der Rhön wie den Wachtküppel, den Guckaisee und den Schulzenberg. Auf der Wasserkuppe brachte er vor vielen Hundert Besuchern den "Kleinen Prinzen". Segelflieger kreuzten am Himmel über dem Veranstaltungsort und verstärkten die Atmosphäre.

Im Jahre 2000 kam die zweite lange "Nacht der Poesie" auf dem 928 m hohen Kreuzberg hinzu und 2007 die Veranstaltung auf dem Kaliberg Neuhof. Zwischen 400 bis 600 Leute strömten auf Osthessens höchstgelegenen Salzstrand und genossen Hergets Worte und die grandiose Aussicht.

Rudolf Herget erweiterte die Reihe um den Vogelsberg. Hier fand vor 11 Jahren die 1. Nacht der Poesie auf dem Bechtelsberg statt. Termine auf dem Totenköppel und auf der Burgruine Wartenberg folgten. In Wartenberg konnten die Zuschauer 2012 einen wahren Sternschnuppenregen bewundern.

Der Region und den Menschen wird Rudolf H. Herget fehlen, aber in ihren Herzen wird er ganz sicher weiterleben.

(Thomas Bayer)